Unter dem Motto „Von der Domstadt Hildesheim auf Entdeckungstour durch die Region Hannover“ ging die GöBUS-Sonderfahrt am 09. Mai 2026 in ihre 17. Auflage. Bei dieser abwechslungsreichen Fotoreise quer durch die lokale Nahverkehrsszene stand die spannende Buswelt im Herzen Niedersachsens im Mittelpunkt. Die Tour bot den teilnehmenden Omnibus-Enthusiasten erneut die Möglichkeit, historische Klassiker und moderne Flotten an exklusiven Standorten fotografisch in Szene zu setzen und seltene Einblicke in die regionalen Betriebshöfe zu gewinnen.

Auftakt in der Domstadt und ein historischer Begleiter

Bereits im Vorfeld der eigentlichen Tour startete das Organisationsteam mit der Bereitstellung des historischen Gefährts. Vom Betriebshof der Solling Bus GmbH aus Moringen führte der Weg über Northeim und die malerischen Hildesheimer Berge bis nach Itzum. Dort kam es an der Endhaltestelle prompt zu einer ersten schönen Begegnung mit einem Linienbus der Linie 4 des Stadtverkehrs Hildesheim. Mit einer kleinen Verspätung wurde schließlich bei bewölktem Himmel und einer Außentemperatur von 16 Grad der Bahnhof in Hildesheim erreicht, der offizielle Startpunkt der Reise. Die Vorfreude der Teilnehmer war förmlich greifbar, als sie vor der Kulisse der historischen Architektur der alten Domstadt eintrafen. Bewegt wurde an diesem Tag ein ganz besonderes Schmuckstück: Ein gelber MAN SD 200 der Solling Bus GmbH mit dem Kennzeichen EIN-TG 100 aus dem Baujahr 1982. Dieser Doppeldecker war ehemals bei der BVG in Berlin als Wagen 1814 im Einsatz, fuhr später für die Firma Behrendt in Lehnin und war als Wagen 521 bei BEX in Berlin unterwegs. Nachdem sich alle Fahrgäste in dem imposanten Fahrzeug eingefunden hatten, wurden sie mit einer ausführlichen Rede über den geplanten Tagesablauf und die Verhaltensregeln an den Fotopunkten herzlich begrüßt.

Zu Gast bei Sausewind Reisen in Borsum

Die Fahrt führte zunächst gen Norden nach Borsum zum Betriebshof der Sausewind Reisen GmbH aus Schellerten. Dieses traditionsreiche Familienunternehmen ist eine feste und äußerst zuverlässige Säule im regionalen Linien- und Reiseverkehr rund um Hildesheim. Der Betrieb besticht durch einen sehr gepflegten Fuhrpark, der vornehmlich aus Fahrzeugen des EvoBus-Konzernes besteht – mit Mercedes-Benz im Linienbetrieb und Setra im Reiseverkehr. Fahrer Alexander Dippel erwartete die Gruppe bereits voller Tatendrang und zog sogleich die gewünschten Fahrzeuge in das perfekte Licht. Als erstes Exemplar wurde einer der neuesten Zugänge aus dem Jahr 2025 hervorgeholt, ein Mercedes-Benz Citaro C2 LE Ü, der als einer von drei Werbeträgern für das Gartencenter Grünwald im Nordharz fungiert. Große Begierde weckte bei den Teilnehmern auch der HI-SW 2415, der zuvor bei der Firma Baron in Großrosseln lief und seit 2024 den Sausewind-Fuhrpark verstärkt. Er trägt noch immer die Reste einer Vollwerbung mit abgebildeten Personen und präsentiert an der Front stolz das markante Verbunddesign der Saarbahn. Zur großen Freude der Fotografen wurden die aufgereihten Linienbusse mit eher unüblichen Beschilderungen versehen. So zeigten die Zielanzeigen Destinationen rund um Alfeld an, einem Gebiet, in dem sie regulär nicht verkehren – wie etwa eindrucksvoll die Linie 65 nach Marienhagen. Auch im Reisebussegment gab es etwas zu bestaunen: Einer der fünf vorhandenen Setra S 516 HD wurde vorgezogen, eine brandneue Investition, die auf das Kennzeichen HI-SW 5550 hört. Den Abschluss auf diesem Hof machte ein neutral gehaltener Mercedes-Benz Citaro C2 LE aus dem Jahr 2024, womit ein spezieller Motivwunsch der Teilnehmer erfüllt werden konnte.

Stippvisite bei Hartmann in Hildesheim

Mit dem markanten Motorenklang des historischen MAN zog die Gruppe weiter zur Hafenstraße in Hildesheim. Hier befindet sich die lokale Abstellung der Hartmann Busbetrieb GmbH für das südliche Einzugsgebiet der regiobus Hannover sowie für das gesamte Gebiet der Regionalverkehr Hildesheim GmbH, in dem das Unternehmen zahlreiche Auftragsfahrten übernimmt. Der Hartmann Busbetrieb, dessen Hauptsitz sich in Hannover befindet, ist einer der wichtigsten privaten Verkehrsdienstleister der Region und ein enorm starker Partner im städtischen sowie regionalen Liniennetz. Typisch und weithin bekannt ist das Erscheinungsbild der Hartmann-Fahrzeuge durch den umlaufenden, leuchtend orangenen Streifen an der unteren Fahrzeughälfte. Patrick Steigerwald wartete dort bereits mit tatkräftiger Unterstützung und fuhr zwei Mercedes-Benz O 550 Intouro aus dem Jahr 2013 vor, die beide eine tschechische Vergangenheit bei der ICOM/CSAD haben und nun verlässlich im freigestellten Schülerverkehr eingesetzt werden. Ebenso wurden moderne Einsatzfahrzeuge aus dem Jahr 2024 präsentiert, allesamt Mercedes-Benz Citaro C2, die für den RVHI rund um Alfeld unterwegs sind. Einen optischen Kontrast bot hingegen der Wagen H-BH 1207, ein Mercedes-Benz O 530 Citaro (Facelift) im neutralen Lack, der im Auftrag der regiobus Hannover fährt. Dieser Linienbus begann seine Laufbahn bei der RVK in Köln und gelangte 2021 über den Univers Busservice aus Bonn in das südliche Niedersachsen.

Fahrzeugvielfalt bei Schröder Bustouristik in Gronau

Der nächste Stopp führte die Reisegruppe weiter durch Hildesheim nach Gronau, wo sich der noch recht neue und im Ausbau befindliche Betriebshof der Schröder Bustouristik e.K. befindet. Dieses dynamische Unternehmen, das eigentlich fest in Sarstedt verwurzelt ist, hat sich in den vergangenen Jahren ein breites Portfolio im Ersatz-, Linien- und Schülerverkehr erarbeitet und ist in der Szene für seine beeindruckende Fahrzeugvielfalt bekannt. Konstantin Schröder und sein Mitarbeiter Niclas Blenke nahmen die Teilnehmer herzlich in Empfang. Ein besonderer Zufall bescherte sogleich ein tolles Live-Motiv: Man konnte die Abfahrt einer Fahrzeugüberführung zu einem Händler nach Hamburg festhalten, bei der ein MAN A 20 Lion’s City sowie zwei Mercedes-Benz Sprinter mit Überführungskennzeichen das Gelände verließen. Der Fuhrpark von Schröder zeigt sich äußerst facettenreich. Auf schwächer frequentierten Linien setzt das Unternehmen Kleinbusse ein, in der Regel von Mercedes-Benz, die oft aus Beständen der Deutschen Bahn oder von Firmen aus Frankreich stammen. Bei den Großbussen dominiert hingegen die Marke MAN. Während die älteren Fahrzeuge noch im markanten roten Lack erstrahlen, sind die neuesten Anschaffungen komplett weiß oder im frischen, grünen RVHI-Verkehrsdesign gehalten. Im vergangenen Jahr kaufte Schröder zudem drei MAN-Busse an, die nach einem Unfallschaden überaus professionell und aufwendig repariert und aufbereitet wurden. Ein echtes Highlight waren die beiden fabrikneuen Iveco Crossway LE, die ersten völlig neu beschafften Fahrzeuge in der Unternehmensgeschichte, die in diesem Jahr in den Fuhrpark einzogen und denen im Laufe des Jahres mindestens ein weiterer folgen soll. Obwohl die Wolken den Himmel weiterhin fest im Griff hatten, fotografierte man eifrig den ältesten Wagen im Fuhrpark, einen im blauen Gewand gehaltenen Neoplan N 2216/3 SHDL Reisebus, der einst für Meixner aus Schwandorf im Einsatz war. Ebenso konnten einige der roten MAN-Überlandbusse abgelichtet werden, deren Ausmusterung bereits absehbar ist. Zum Abschluss dieses Besuchs wurde Konstantin Schröder ein Präsent überreicht, bevor ein schönes Abschlussbild entstand.

Großstadtflair beim Hartmann Busbetrieb in Hannover

Anschließend wurde die Fahrt in die Landeshauptstadt Hannover fortgesetzt, um den Hauptstandort des Busbetriebs Hartmann anzusteuern. Zuvor bot sich jedoch die Gelegenheit für einen idyllischen Fotostopp an der Kehre des Briefzentrums in Pattensen. Dort gaben die Tür- und Fahrerseite des gelben MAN SD 200, sanft umrahmt von hohen Gräsern, ein traumhaftes Motiv ab. Am Alten Flughafen in Hannover bei der Hartmann Busbetrieb GmbH angekommen, offenbarte sich ein Betriebshof, der echtes ÖPNV-Großstadtflair atmet. Die Flotte bot hier primär Gelenkbusse von Mercedes-Benz und einige wenige Exemplare von MAN. Es handelte sich allesamt um spannende Gebrauchtfahrzeuge, die vom Mercedes-Benz O 530 Citaro (Facelift) G über den MAN A 23 Lion’s City G bis hin zu den jüngeren Mercedes-Benz Citaro C2 Ü reichten. Ein besonderer Wunsch der Teilnehmer war es, einen der neuesten Zugänge im Detail zu dokumentieren. Dieser Bus trägt noch stolz die Lackierung und Beklebung seines spanischen Vorbesitzers, der Autobuses Garayar S.A. aus Hernani im Baskenland nahe der französischen Grenze. Bemerkenswert sind nicht nur die harten Kunststoffsitze im Innenraum und die intakten spanischen Zielbeschilderungen. Faszinierend ist auch die Tatsache, dass auf der Rückseite unterhalb der Liniennummer eine digitale Laufschrift den exakten Linienweg anzeigt. Auf eine Klimaanlage wurde bei diesem Gelenkbus gänzlich verzichtet, da die klimatischen Bedingungen in seiner spanischen Heimat diese offenbar nicht voraussetzten.

Historische Sternstunde bei der ÜSTRA in Mittelfeld

Nach der Entstehung dieser außergewöhnlichen Bilder wurde es laut und wuchtig: Die Reise wurde als waschechte Doppeldecker-Kolonne fortgesetzt. Der Hartmann Busbetrieb stellte seinen eigenen historischen MAN SD 200 aus dem Baujahr 1980 zur Seite, der als ehemaliger Berliner (BVG Wagen 1723) und Bremerhavener (VGB HB-H 9350) eine bewegte Geschichte hat und zudem einen noch kernigeren Sound aufweist. Als diese eindrucksvolle Paarung beim Betriebshof Mittelfeld der ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe eintraf, geschah das, worauf alle den ganzen Morgen gehofft hatten: Pünktlich zur historischen Sternstunde brach die Sonne durch! In enger Absprache mit Holger Jäckel gab es hier eine wunderbare Überraschung. Holger unterhielt die Gruppe glänzend mit Anekdoten aus dem Betriebsalltag und sorgte mit spürbarem Spaß dafür, dass beim Rangieren an der Nord-Süd-Trasse alle auf ihre Kosten kamen. Zunächst wurde eine sonnenbeschienene Gemeinschaftsaufnahme der beiden MAN SD 200 inszeniert. In der Zwischenzeit machte Holger seinen privaten MAN SL 202 betriebsbereit, sodass dieser sich der majestätischen Frontreihe anschließen durfte. Bei diesem Fahrzeug aus dem Baujahr 1986 handelt es sich um einen ehemaligen ÜSTRA-Wagen, der der Nachwelt erfreulicherweise als Museumswagen erhalten bleibt. Doch damit nicht genug: Als weiteres Schmuckstück aus der Region wurde ein Setra S 315 NF aus dem Jahr 1997 positioniert. Dieser Bus war über elf Jahre bei der regiobus Hannover und deren Vorgänger beheimatet, wechselte 2015 zum kooperierenden Omnibusbetrieb von Lukas Wicke und befindet sich seit 2017 im stolzen Besitz von Holger Jäckel. Man nahm unterschiedlichste Formationen ein und fotografierte den historischen Fuhrpark ausgiebig im Sonnenlicht.

Nachdem die Fahrzeuge sicher auf den Kamerachips festgehalten waren, lud Holger Jäckel zu einer exklusiven Besichtigung des großen Betriebsgeländes ein. Bei einer Fahrt über den Hof verschaffte man sich im historischen Ambiente einen Überblick über die abgestellten Fahrzeuge und durfte Wünsche äußern, welche Wagen vorgefahren werden sollten. Als einer der ersten durfte der ehemalige Wagen 091 des Stadtverkehrs Hildesheim, ein Mercedes-Benz O 530 Citaro (Facelift) G, aufgenommen werden, der seit 2021 in Hannover beheimatet ist. Weiterhin präsentierte sich eine immense Vielfalt an Bussen von Mercedes-Benz und MAN, darunter spannende Hybride mit wuchtigen Dachaufbauten und Modelle mit modernen Kameraspiegeln. Auch einige Busse mit vollflächigen Werbungen, wie etwa für die Sparda Bank, reihten sich ein. Besonders interessant war der Wagen H-BF 308, der durch einen brachialen Fenstertest auf YouTube Berühmtheit erlangte, bei dem man die Doppelverglasung damals nur mit größter Mühe durchschlagen konnte. Den modernen Kontrast bildete schließlich ein Solaris Urbino 18 der dritten Generation. Er ist einer von zwei Gelenkbussen dieses Typs, die erst im Jahr 2025 aus der aufgelösten Firma Dau Bus GmbH aus Barsinghausen erworben wurden.

Modernes Überlandnetz bei der regiobus in Burgdorf und ein gemütlicher Ausklang

Die wärmende Sonne und die hervorragende Laune begleiteten die Gruppe zur letzten Etappe der Reise: Der Betriebsstelle Burgdorf der regiobus Hannover GmbH. Als eines der größten Verkehrsunternehmen in ganz Niedersachsen bildet die regiobus das absolute Rückgrat des hannoverschen Überlandverkehrs und verbindet die Umlandgemeinden nahtlos mit dem städtischen Netz der Landeshauptstadt. Vor Ort wurde regelrecht eine Flut an Überlandfahrzeugen der Marke MAN in unterschiedlichsten Längen vorgefahren. Besonders reizvoll waren die speziellen Zielbeschilderungen an Orten, an denen im Alltag beispielsweise niemals ein Gelenkbus anzutreffen wäre. Verschiedene Werbedesigns und das neue, überaus ästhetische Überlanddesign der ÜSTRA konnten festgehalten werden. Ein MAN 18 C mit abgedunkelten Scheiben fügte sich dabei besonders elegant in das landschaftliche Gesamtbild ein. Einen spannenden Blick in die Zukunft der Mobilität bot sich in Form eines Karsan Autonomous e-ATAK. Dieses hochmoderne Fahrzeug ist derzeit zu Testzwecken im „ALBUS“-Projekt auf ausgewählten, ins System eingelernten Linien im Einsatz und wurde vom Personal faszinierend vorgeführt. Den fotografischen Abschluss bildeten abermals die treuen Sonderfahrtsfahrzeuge, bevor nach einem finalen und fröhlichen Teilnehmerbild sich der Tag langsam dem Ende zuneigte.

Am Abend hieß es schließlich Abschied nehmen und die Reisegruppe teilte sich auf. Ein Teil der Teilnehmer, der ab Hannover den besseren Bahnanschluss für die Heimreise nutzen konnte, stieg in den MAN SD 200 des Hartmann Busbetriebs ein. Die übrigen Teilnehmer, die ihre Reise in Hildesheim begonnen hatten oder den grandiosen Tag mit einem kulinarischen Ausklang im griechischen Restaurant „Apollon“ beenden wollten, traten die Rückfahrt im MAN SD 200 von Solling Bus an. Damit endete ein wunderbarer, ereignisreicher und fotografisch höchst erfolgreicher Tag in der Region Hannover.

Ein riesiger Dank gilt allen Mitwirkenden, großzügigen Gastgebern und beteiligten Omnibusunternehmen, die ihre Türen öffneten und diesen tiefen Einblick ermöglichten. Ganz besonders richtet sich der Dank an Bennett Burr, Holger Jäckel und Patrick Steigerwald, denen als Anerkennung für ihren unermüdlichen und geduldigen Einsatz beim Rangieren und Präsentieren der Fahrzeuge ein kleines Präsent überreicht wurde. Die rundum positive Resonanz und die fantastischen Aufnahmen dieses Tages bestärken die Organisatoren einmal mehr darin, die historische und moderne Buskultur weiterhin auf solch erlebnisreiche Weise miteinander zu verbinden.