Die vollständige Umstellung des Northeimer Stadtbusverkehrs auf Elektroantrieb rückt näher: Bis 2028 plant das Busunternehmen Weihrauch Uhlendorff, seine Flotte komplett auf umweltfreundliche E-Busse umzurüsten. Um diesen Schritt optimal vorzubereiten, ist aktuell für eine zehntägige Testphase (bis zu dem 11.04.2026) ein Mercedes-Benz eCitaro (Baujahr 2023) mit der Zulassung MA-AA 145 im regulären Liniennetz des Northeimer Stadtverkehres unterwegs. Die Fahrgäste können den vollelektrischen Vorführwagen ohne Änderungen an Fahrplänen oder Linienführungen direkt im Alltag erleben.
Während des Testbetriebs sammelt das Unternehmen wichtige Daten für die anstehende Umstrukturierung. Laut Arne Wolfram, Assistent der Geschäftsleitung, stehen vor allem der tatsächliche Energieverbrauch und die veränderten Fahreigenschaften im Fokus, da der 590 Kilowattstunden starke Akku auf dem Dach für einen deutlich höheren Schwerpunkt sorgt. Mit einer vom Hersteller angegebenen Reichweite von 420 Kilometern ist der Bus für die täglichen Strecken von 250 bis 350 Kilometern in Northeim theoretisch bestens gerüstet. Der Praxistest soll nun zeigen, wie stark sich beispielsweise Heizung oder Klimaanlage im Realbetrieb auf die Akkulaufzeit auswirken. Da der aktuelle Vorführwagen ursprünglich für den italienischen Markt konzipiert wurde, ist er noch vergleichsweise spartanisch ausgestattet; die später anzuschaffenden Busse werden den Fahrgästen jedoch wieder den gewohnten Sitzkomfort bieten. Optisch unterscheidet sich der sehr leise, dreitürige Bus kaum von der bekannten Diesel-Flotte, fällt aber durch hochmoderne Spiegelkameras anstelle klassischer Außenspiegel auf.
Der Weg zur emissionsfreien Busflotte ist allerdings mit enormen Investitionen verbunden. Mit einem Anschaffungspreis von rund 700.000 Euro kostet ein E-Bus etwa doppelt so viel wie ein herkömmlicher Dieselbus. Zwar erwartet Weihrauch-Uhlendorff dank eines intelligenten Über-Nacht-Ladesystems – das Standzeiten, Streckenlängen und Strompreise berücksichtigt – langfristig geringere Betriebskosten, doch die finanzielle Gesamthürde bleibt hoch. Auch die örtliche Infrastruktur muss massiv ausgebaut werden: Auf dem Betriebshof sind acht 150-kW-Ladestationen geplant, für die in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken erst ein neues Mittelspannungskabel verlegt und eine eigene Trafostation errichtet werden müssen. Um am Ende die beste Lösung für Northeim zu finden, wird im Laufe des Jahres noch ein weiteres E-Fahrzeug des Herstellers Iveco ausgiebig getestet.